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Renato Pedrini 1913 - 1945 Bearbeiten

Geboren 22.11.1913 in Torino
Gestorben 9.4.1945 in Mauthausen

Biografie

Von Beruf Radiologe, zieht er von Turin nach La Spezia, den Wohnort seiner Ehefrau, erwirbt dort im Stadtviertel Migliarina ein Geschäft für Fotoartikel und wird ein angesehener Fotograf.

In Migliarina hat er viele Freunde, mit denen er sich in der bekannten Bar Caval bianco trifft. Hier organisieren sie heimlich Unterstützung für die Partisanen, um ihnen Medikamente und Passierscheine, auf deren Fälschung Renato Pedrini sich besonders gut versteht, zukommen zu lassen.

Am 19. September 1944 zeigt ein stadtbekannter Faschist vom Fenster aus auf diejenigen, die ergriffen werden sollen, und dadurch werden Pedrini und sein noch nicht einmal vierzehn Jahre alter Lehrling Franco Cetrelli gezielt verhaftet.

Das Schicksal von Pedrini und des Jungen wird aber weniger wegen ihrer konspirativen Aktivitäten, sondern aus Rache dieses Faschisten besiegelt. Pedrini hatte nämlich für seine zweijährige Tochter, der die Mutter keine Milch geben konnte, ein halbes Kilo Zucker besorgt. Davon wusste der Faschist und wollte den Zucker haben. Weil es ihm nicht gelang, schwor er, Pedrini dafür die Rechnung zu präsentieren. Und so kommt es zum Geschehen vom 19. September.

Nach der Verhaftung wird er in der örtlichen Kaserne vom XXI. Infanterieregiment unter schwerer Folter verhört. Von dort gelingt es ihm, der Ehefrau eine dramatische Nachricht zukommen zu lassen: „Gefoltert, unmöglich auszuhalten, ich habe geredet. Ich werde umgebracht. Fliehe mit der Kleinen.“

Er wird nach Genua ins Studentenheim gebracht und muss erneut brutale Folter erleiden. Am 8. Dezember wird er in das KZ Bozen-Gries (Häftlingsnummer 6927) deportiert, von wo aus er, wissend um seine bevorstehende Abreise nach Deutschland, eine letzte Nachricht aus Italien an seine geliebte Frau und Tochter, datiert auf den 13. Dezember mit dem Lagerpoststempel 18/12/1944, schickt.

Mit dem Transport Nr. 111 trifft er am 19. Dezember, schon in schlechter gesundheitlicher Verfassung, im Lager von Mauthausen (Häftlingsnummer 114056) ein. Er schließt sich einer lagerinternen Widerstandsgruppe an und ist wieder grausamen Misshandlungen ausgesetzt. Der Mithäftling und Arzt Francesco Negri aus La Spezia, auch er mit demselben Transport dorthin gebracht, versucht, seine Qualen zu erleichtern. Dieser Negri berichtet nach seiner Rückkehr aus dem befreiten Lager Mauthausen, dass Pedrini nicht mehr aus dem Sanitätslager bzw. „Russenlager“ herauskam. Die Quellen belegen, dass das Ableben in der Nacht vom 9. April 1945 im Sanitätslager erfolgte.

Annamaria Pedrini

ANED, Sektion La Spezia / Fondazione memoria della Deportazione

 

Annamaria Pedrini ist die Tochter von Renato Pedrini und Mitglied der Sektion der Associazione nazionale ex deportati (ANED) in La Spezia.

 

Aus dem Italienischen von Camilla Brunelli

 

Quellen:

Archiv der ANED, Sektion La Spezia, Verzeichnis der deportierten Personen in die Vernichtungslager KZ, registriert von der Sektion.

Briefe an die Familie von der XXI Infanterie La Spezia, vom Gefängnis Marassi in Genua Genova und vom Lager Bozen.

Literatur:

Verschiedene Autoren: Migliarina ricorda, testimonianze sulla resistenza e deportazione 1943-45 (Turin 1996).

Italo Tibaldi: Compagni di viaggio. Dall\'Italia ai lager nazisti. I trasporti dei deportati 1943-45 (Mailand 1995).

Valeria Morelli: I deportati italiani nei campi di sterminio 1943-1945 (Mailand 1965).

G.U. 1968 Sup. N. 130 22-5.

Aldo Pantozzi: Sotto gli occhi della morte. Da Bolzano a Mauthausen (Trento 2002).

Mino Micheli: I vivi e i morti (Mailand 1967).

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