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Alfred Alt 1913 - 1940 Bearbeiten

Geboren 15.8.1913 in Wien
Gestorben 3.10.1940 in Gusen

Biografie

Die Brüder Karl und Alfred Alt wurden in Wien geboren, Karl am 13. Juli 1910, Alfred am 15. August 1913. Sie wuchsen im 7. Bezirk auf, gemeinsam mit ihrer älteren Schwester und dem aus der ersten, geschiedenen Ehe ihres Vaters stammenden älteren Halbbruder, Rudolf.

Die Mutter, Karoline Alt, wurde 1880 in Bratislava geboren und war Hausfrau. Der Vater, Julius Alt, war Kaufmann und führte in Wien Neubau in der Burggasse 122a ein Wäschewarengeschäft für „Tücher und Schawls“, wie die Rubrik im damaligen Branchenverzeichnis lautet. Die jüdische Familie wohnte im selben Haus über dem Geschäft im Mezzanin. Über die Kinder- und Jugendjahre der beiden Brüder wissen wir nichts Genaues. Wie so oft, sind auch hier nur solche Nachrichten überliefert, die ihre letzten Jahre betreffen und über jene Ereignisse berichten, die in grauenhafter Weise in ihr Leben eingriffen.

Zur Zeit des „Anschlusses“ studierte Karl in Wien Medizin, zuvor hatte er kurze Zeit als Hauslehrer gearbeitet. Er lebte nach wie vor unverheiratet in der elterlichen Wohnung. Alfred war von Beruf Weber und arbeitete zunächst als Manipulant in einer Seidenfabrik in Wien Neubau, später war er Betriebsleiter einer Lichtenwörther Firma. Durch das Berufsverbot für Jüdinnen und Juden war Alfred arbeitslos und verdiente sich mit Nachhilfestunden ein minimales Einkommen.

Am 23. Mai 1939 wurde dem Vater die Gewerbeberechtigung entzogen, zu diesem Zeitpunkt waren Karl und Alfred bereits aus Österreich abgemeldet. Wenige Monate später war allen Familienmitgliedern die Flucht aus Österreich zunächst gelungen. Dabei wurde die Familie wohl getrennt. Auf der Abmeldung des Vaters, Julius Alt, vom 6. Dezember 1939 ist „China“ als Ziel vermerkt. Ob er tatsächlich dort ankam, wissen wir nicht. Karl und Alfred meldeten sich beide bereits am 30. April 1939 ebenfalls offiziell nach China ab, aus den Schilderungen ihrer Mutter geht aber hervor, dass sie tatsächlich nach Italien geflohen waren. Karoline Alt blieb noch länger in Wien und ging, laut Meldezettel, erst am 1. März 1940 nach Sizilien. Bereits Anfang Mai 1939 verließ Alfreds und Karls Schwester Wien, am 15. Mai ihr Halbbruder Rudolf, beide gaben als offizielles Ziel ebenfalls China an.

Karl und Alfred waren 1940 in Mailand, dort wurden sie am 3. August in „Schutzhaft“ genommen und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Wenige Tage später, am 16. August 1940, wurden sie nach Mauthausen überstellt.

Alfred Alt ist am 3. Oktober 1940 im Konzentrationslager Mauthausen umgekommen, Karl Alt am 29. Oktober 1940. Im Totenbuch des Konzentrationslagers wurde als angebliche Todesursache bei beiden „schwerer Dickdarmkatarrh“ vermerkt.

Karoline Alt kam nach der Inhaftierung ihrer Söhne im Oktober 1940 aus Mailand wieder nach Wien zurück. Ab November 1942 war auch Julius Alt wieder in Wien. Als ihre gemeinsame Wohnadresse ist, bis nach Kriegsende, die Große Mohrengasse 40 im 2. Bezirk vermerkt; ein Haus, in dem es auch sogenannte „Sammelwohnungen“ gab, die letzte Adresse vieler Juden vor der Deportation. Trotz all dem überlebten Karoline und Julius Alt in Wien die NS-Zeit. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1947 emigrierte Karoline Alt nach Brasilien und lebte dort bei ihrer Tochter, Rudolf Alt war inzwischen nach New York ausgewandert. Karoline Alt beantragte in den 1950er-Jahren eine Entschädigung nach dem Opferfürsorgegesetz. Nach langem, zähem Ringen erhielt sie schließlich eine Haftentschädigungszahlung für ihre ermordeten Söhne. Diesem Antrag verdanken wir heute die Nachrichten über das Schicksal von Karl und Alfred Alt.

Susanne Fritsch-Rübsamen

Susanne Fritsch-Rübsamen ist Historikerin und Archivarin am Wiener Stadt- und Landesarchiv.

 

Quellen:

Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Totenbuch des SS-Standortarztes Mauthausen für Gusen, 1.1.6.1.

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA), M.Abt. 208, A36 – Opferfürsorgeakten: Entschädigungen: Karoline Alt.

WStLA, BPD-Wien: Historische Meldeunterlagen, K3 – D-Antiquariat: Alt Julius, Alt Karl, Alt Alfred sowie Alt Rudolf.

WStLA, BG Innere Stadt, A4/12: 12 A 628/47.

Literatur:

Wiener Adressbuch. Lehmanns Wohnungsanzeiger für Wien, Bd. 77 (Wien 1936), Teil 2, S. 378.

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