Jacques François 1921 - 1945

Geboren 5.5.1921 in Angers
Gestorben 31.1.1945 in Melk

Biografie

Aus einem Brief des Mauthausen-Überlebenden Bernard Maingot über Jacques François:

 

„Ich habe Ihren Brief erhalten und bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen.

Ich bin imstande, den Fall meines Kameraden Jacques François anzuführen. Er war mein Nachbar in Angers.

Jacques wurde am 5. Mai 1921 in Angers geboren. Er wollte Offizier werden, und im Jahr 1939 war er Schüler in einer Militärakademie. Im Juni 1940, nach der Kapitulation Frankreichs, wurde diese Schule geschlossen.

Er kehrte an den Wohnsitz seiner verwitweten Mutter zurück, die zusammen mit ihrer im Jahr 1923 geborenen Tochter Yvonne lebte.

Als Widerstandskämpfer der Bewegung LIBÉ-NORD beigetreten, wurde er von der Gestapo von Angers am 19. Februar 1944 festgenommen. Er war in Angers, Compiègne, Mauthausen (Häftlingsnummer 62326) und schließlich in Melk inhaftiert, wo er am 30 Jänner 1945 verstarb.

Ich wurde am gleichen Tag wie er festgenommen, und aus demselben Grund, und ich legte denselben Weg zurück. Ich habe mit ihm in Melk im Stollenbau-Kommando gearbeitet, von dem mehr als 50 Prozent der Deportierten verstarben. Ende des Jahres 1944 wurde er, von Fieber und einer schweren Lungenerkrankung geplagt, im Revier aufgenommen. Im Jänner 1945 habe ich es geschafft, ihn zu sehen. Er war sehr abgemagert, hustete viel und hatte die Ruhr.

Bei dieser Kälte saß er im Hof des Reviers am Boden, nur mit einem Hemd bekleidet und mit einer sehr, sehr schmutzigen Decke über den Schultern. Er hat mich nicht mehr erkannt. Er war schon fort, auf die große Reise gegangen…

Ich glaube, ich habe geweint.

Das Schicksal hat gewollt, dass ich überlebe.

Gleich nach meiner Rückkehr nach Angers, Anfang Juni 1945, habe ich die Mutter von Jacques, Frau François, besucht. Sie weinte bitterlich. Ihr Lieblingssohn trug alle ihre Hoffnungen. Zum Glück kam ihre Tochter Yvonne, die Schwester von Jacques, die zum selben Zeitpunkt gefangengenommen und nach Ravensbrück deportiert wurde, zwar sehr krank, aber lebend wieder zurück.

Für die Schmerzen dieser Mutter fühlte ich mich schuldig. In ihren tränengefüllten Augen glaubte ich, immer dieselbe gerechte Frage zu lesen: „Du bist hier, stehst vor mir, lebend, und mein Sohn wird nie zurückkommen, nie wieder. Warum er? WARUM?“

Auf diese Frage habe ich keine Antwort, nur Gott alleine weiß es.“

 

Bernard Maingot

Bernard Maingot, geb. 1925, wuchs in Angers auf. Da er für die Résistance aktiv war, wurde er im Februar 1944 von der Gestapo festgenommen. Sie deportierte ihn nach Mauthausen, von wo er weiter in das Außenlager Melk transportiert wurde. Die Befreiung erlebte er schließlich im KZ Ebensee. Er lebt heute in seiner Geburtsstadt Angers. 

 

Aus dem Französischen von Andrea Peyrou

Position im Raum